Fachbereich Sprachwissenschaft
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Germanistische Sprachwissenschaft: Vorstellung des Fachs und des Studiums


Das Deutsche gehört zusammen mit dem Englischen zu den am besten untersuchten Sprachen der Welt. Es gibt für die Beschreibung des Deutschen eine beeindruckende philologische Tradition sowie beachtliche Leistungen der modernen Linguistik, die die Untersuchung des Deutschen zu einem Teil der großen Fragestellungen über die Natur der Sprache, über den Sprachvergleich und die parametrische Variation gemacht haben. Das Studium der Germanistischen Sprachwissenschaft kann also von einem starken Wissenshintergrund und einem umfangreichen Schrifttum Gebrauch machen.

Die im Fachbereich Sprachwissenschaft vertretene Haltung zum Fach geht von einer breiten Perspektive aus, in der es nicht nur um die deutsche Standardsprache und deren Beschreibung geht, sondern auch um eng verwandte andere germanische Sprachen wie etwa das Niederländische und selbstverständlich auch das Englische und das Skandinavische, sowie um die Dialekte des Deutschen. Ebenso wird großer Wert darauf gelegt, das Deutsche als eine natürliche Sprache zu sehen, die im Vergleich mit anderen Sprachen oder Sprachfamilien der Welt - also kontrastiv - zu untersuchen ist. Im Hintergrund der Fragestellungen geht es also immer auch um sprachliche Universalien und das, was die Forschung als "Universal Grammar" bezeichnet. Diese Position erklärt auch, wieso die Germanistische Sprachwissenschaft an der Universität Konstanz, anders als an vielen anderen Einrichtungen, stark mit der Allgemeinen Sprachwissenschaft verflochten ist. Schon aufgrund der Personalstruktur kommt ein großer Teil des Lehrangebots u. a. aus der Allgemeinen Sprachwissenschaft.
Begreift man Sprache als etwas primär Naturhaft-Kognitives, dann liegt es nahe, sich ihre kognitive Verarbeitung näher anzusehen. Exakt dies wird im Rahmen der Germanistischen Sprachwissenschaft auch betrieben, sowohl in theoretischer wie auch in experimenteller Hinsicht. Die deutsche Sprache und ihre Besonderheiten (Wortstellung, Kasus, Verbalsystem etc.) bieten ein reiches Terrain für empirische Untersuchungen, die den Prozess des Sprachverstehens beim Hören und Lesen sichtbar und verstehbar machen.

Anders als in den Sprachfächern Anglistik, Romanistik und Slawistik spielt in der Germanistik der Erwerb der deutschen Sprache keine Rolle, da der überwiegende Teil der Studenten und Studentinnen Deutsch als Muttersprache haben. Ausländer, die noch im Prozess des Erwerbs von Deutsch als Fremdsprache sind, wenden sich an das Sprachlehrinstitut (SLI), http://www.uni-konstanz.de/ZE/SLI/index.html.

In den germanistischen Lehrveranstaltungen stehen Struktur, Geschichte und Gebrauch (z. B. kognitive Verarbeitung) des Deutschen bzw. auch weiterer germanischer Sprachen im Mittelpunkt. Die Systematik des Gebiets ist im wesentlichen dieselbe wie in den anderen Bereichen der Sprachwissenschaft.
Struktur: Syntax, Morphologie, Phonologie des Deutschen und seiner Dialekte sowie anderer germanischer Sprachen
Geschichte: Vorläufer des heutigen Deutschen (Alt- und Mittelhochdeutsch), Periodisierung, Phänomene des Sprachwandels
Gebrauch: Gesprochene versus geschriebene Sprache, die mentale Verarbeitung von Lauten, Wörtern und Sätzen im Deutschen, der Erwerb des Deutschen.

Das Fach kann ein Schwerpunkt beim BA Sprachwissenschaft (Prüfungsordnung - pdf) sein, obwohl es keinen BA speziell für die Germanistische Sprachwissenschaft gibt. Nach Abschluss des BA-Studiengangs Sprachwissenschaft kann das Studium mit einem MA (Master) Studiengang Germanistische Sprachwissenschaft (Prüfungsordnung - pdf) aufgebaut werden.

Anwärter für die wissenschaftliche Prüfung für das Lehramt Deutsch an Gymnasien ("Staatsexamen") finden Informationen zum Studium der Germanistischen Sprachwissenschaft unter:
http://www.uni-konstanz.de/studium/?cont=pruefung&lang=de.

Hier finden Sie das Anmeldeformular zum Staatsexamen Germanistische Sprachwissenschaft.

Das Studium der Germanistischen Sprachwissenschaft ist ein sprachwissenschaftliches Fachstudium. Es bereitet nicht speziell auf den Lehrerberuf vor, d.h. es geht weder um Deutsch als Fremdsprache noch um die Didaktik des Deutschunterrichts, etc. Dafür sind andere Einrichtungen zuständig.

Der Fachbereich Sprachwissenschaft, und damit auch die Germanistische Sprachwissenschaft, sind auch in der Forschung sehr engagiert. Es gab bis vor kurzem einen Sonderforschungsbereich, den SFB 471.
Derzeit werden zwei Projekte von der DFG gefördert:

  • "Gradient perception of grammaticality: On the interaction of grammar, frequency of usage and processing complexity"
  • "Modellierung von syntaktischer dialektaler Variation (Mikrovariation) anhand systematisch und kontrastiv erhobener Daten aus dem alemannischen Sprachraum. (Syntax des Allemanischen, SynALM)"

Während des Semesters gibt es ein 14-tägig stattfindendes Kolloquium zu aktuellen Fragen der Forschung.
Am Fachbereich Sprachwissenschaft finden laufend Kolloquien und Vorträge von hiesigen Wissenschaftlern, wie auch von Gastwissenschaftlern statt. Sie werden im Internet und durch Aushänge in den Bereichen G und H angekündigt.

   
Letzte Aktualisierung: Mai 2011     Webmaster   © 2011 : FB Sprachwissenschaft