Überblick
Im Mittelpunkt meiner Forschungsinteressen steht das menschliche Sprachverstehen, das ich primär mit psycholinguistischen Methoden, daneben aber auch mit bildgebenden Verfahren der Neurolinguistik untersuche. Neben dem Gebiet des Sprachverstehens bildet die Syntaxtheorie einen zweiten Schwerpunkt meiner Forschungsinteressen.
- Syntaktische und interpretative Prozesse beim Sprachverstehen
- Grammatik und ihre empirischen Grundlagen
A. Das menschliches Sprachverstehen
Meine Arbeiten zum menschlichen Sprachverstehen umfassen drei Teilbereiche: Kasus und Argumentstruktur beim Sprachverstehen, implizite Prosodie beim Lesen und Prozesse der Satzinterpretation.
Kasus und Argumentstruktur beim Sprachverstehen
Ein Großteil meiner Forschungstätigkeit in den letzten Jahren galt der Frage, welche Rolle Kasus und Argumentstruktur beim Sprachverstehen spielen. Neben einer Reihe von Aufsätzen (u.a. Meng & Bader, 2000; Bader & al., 2001; Hopf & al., 2003) hat dieser Teil meiner Forschung eine Monographie (Bader & Bayer, 2006) erbracht, in der ein explizites Modell der mentalen Repräsentation und Verarbeitung von Kasus vorgeschlagen wird. In neuerer Zeit hat sich die Arbeit zu diesem Thema insbesondere auf die Frage konzentriert, welches Verhältnis besteht zwischen Verstehensprozessen und Frequenzdaten, die durch Korpusanalysen ermittelt werden können.
Implizite Prosodie
Ein weiteres Forschungsinteresse betrifft die Rolle der impliziten Prosodie beim Lesen. Während im Bereich der lexikalischen Verarbeitung der Frage nach der Rolle phonologischer Repräsentationen beim Lesen schon immer eine wichtige Bedeutung zugekommen ist, sind die Effekte der impliziten Prosodie auf das Verstehen von Sätzen weitaus weniger erforscht worden. Meine Arbeiten in diesem Bereich konnten zeigen, dass unterschiedliche Akzentzuweisungen beim Lesen die syntaktische Verarbeitung beeinflussen (siehe Bader, 1998; Stolterfoh & Bader, 2004).
Prozesse der Satzinterpretation
Prozesse der Satzinterpretation bilden seit meinem Aufenthalt an der University of Massachusetts in Amherst einen eigenständigen Forschungsschwerpunkt. Dieser Teil meiner Forschung, der auf einer Zusammenarbeit mit Prof. Lyn Frazier/Amherst beruht, beschäftigt sich mit dem Skopus von Quantoren sowie der Interpretation von indefiniten Nominalphrasen, insbesondere im Hinblick auf das Verhältnis von syntaktischen und semantischen Prozessen beim Sprachverstehen (siehe Bader & Frazier, 2005; Frazier & al, 2005; Bader & Frazier, submitted).
B. Syntaxtheorie
Im Bereich der Syntaxtheorie hat sich neben Fragen von Argumentstruktur und Kasus (siehe Bader, 2000) die Verbsyntax des Deutschen als einer meiner Forschungsschwerpunkte entwickelt (siehe Schmid & al., 2006; Bader & Schmid, submitted). Im Gegensatz zu herkömmlichen syntaktischen Analysen, die sich ausschließlich auf Grammatikalitätsurteile einiger weniger Linguisten stützen, beruht meine Forschung im Bereich der Syntaxtheorie auf experimentell validierten Beurteilungen sowie Korpusanalysen.