Reference and Anaphorical Relations

University of Konstanz, June 13. - 15. 1996

The workshop formed the final part of our project on choice functions and natural language semantics during which we have developed a new view on reference. We have realized that several aspects of reference in general and of anaphorical reference in particular are unsolved and controversial. We think that analyses of anaphorical relations are of special interest since they can reveal referential properties of linguistic expressions that are not accessible in other ways. We, therefore, invited researchers working in different approaches to anaphorical reference. The workshop gave us a better picture of the complex nature of anaphorical reference and reference in general.

We would like to thank the Deutsche Forschungsgemeinschaft, the Universität of Konstanz and the Freunde und Förderer der Universität Konstanz for financing the workshop.



Short Summary of the Workshop

(This article was published in Uni-Info Nr. 247, 19. 7. 1996, pp. 8-9)

Referenz und Anaphora 

Internationale Tagung an der Universität Konstanz zur Grundlagenforschung in der Semantik 

Die Frage nach der Referenz sprachlicher Ausdrücke, d.h. die Frage nach der Art der Beziehung zwischen Wörtern und den von ihnen bezeichneten Gegenständen, stand im Mittelpunkt der internationalen Tagung "Reference and Anaphorical Relations", zu der 18 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Deutschland, den Niederlanden, Tschechien, Finnland, der GUS, der USA und Australien für drei Tage nach Konstanz kamen. Die Tagung wurde im Rahmen des DFG Projektes "Interaktion von Wort- und Satzsemantik” durchgeführt, in dem eine neue semantische Theorie sprachlicher Referenz und ihrer Darstellung erarbeitet wurde. Die Vortragenden diskutierten diese Theorie und deren Alternativen aus linguistischer, philosophischer und logischer Sicht. Damit zeigte sich die Bedeutung der Konstanzer Semantik für die internationale Diskussion erneut, nachdem von zwei internationalen Tagungen in den Jahren 1979 und 1981 wesentliche Impulse für die Entwicklung der modernen Semantik ausgegangen waren. 

Die Referenz sprachlicher Ausdrücke bildet einen der grundlegenden Begriffe der Semantik, ohne jedoch selbst semantischer Natur zu sein. Wie die Beziehung zwischen dem Ausdruck "die Insel" und dem bezeichneten Objekt, das eine Insel ist, konstituiert wird, läßt sich nicht allein aufgrund linguistischer Analysen zeigen. Eine Klärung dieses Begriffs kann nur in einer interdisziplinären Diskussion von Linguistik, Philosophie, Logik und Informatik erarbeitet werden. Einen speziellen Fall von Referenz bildet die anaphorische Referenz, d.h. der Bezug eines Ausdrucks auf einen anderen Ausdruck. So bezieht sich das Pronomen "sie” in der Satzfolge "Ich sehe eine Insel. Sie ist schön” auf sein Antezedens "eine Insel”. Da hier Referenz als die Beziehung zwischen zwei sprachlichen Ausdrücken aufgefaßt werden kann, ist sie der linguistischen Untersuchung zugänglich. 

Der Konstanzer Sprachwissenschaftler und Leiter des DFG Projekts Prof. Dr. Urs Egli erläuterte in seinem historisch und thematisch übergreifenden Vortrag eines der Grundprobleme anaphorischer Referenz, das bereits die Stoiker mit dem "Niemands-Paradox" illustrierten: Ein "Pro-nomen" ("Für-wort") kann nicht immer durch seinen Antezedensausdruck ersetzt werden: "Wenn Sokrates in Athen ist, ist es nicht der Fall, daß er in Rhodos ist. Wenn jemand in Athen ist, ist es nicht der Fall, daß er nicht in Rhodos ist." Während in dem ersten Satz das Pronomen "er" durch den Antezedensausdruck "Sokrates" ersetzt werden kann, führt dies zu dem Satz "Wenn jemand in Athen ist, ist niemand in Rhodos", der jedoch etwas anderes bedeutet. Der Hamburger Philosoph Dr. Reinhard Hülsen setzte die historische Behandlung mit der Darstellung der scholastischen Analyse der Referenzarten (Suppositio) anaphorischer Pronomen fort. 

In vier Vorträgen zu den Grundlagen semantischer Theorien beschäftigten sich der Logiker Dr. habil Jaroslav Peregrin (Prag), der Philosoph Prof. Dr. Jeroen Groenendijk (Amsterdam), der Informatiker Prof. Dr. Reinhard Muskens (Tilburg) sowie der Semantiker Dr. Paul Dekker (Amsterdam) mit der Unterscheidung zwischen spachlichen Ausdrücken, ihren Repräsentationen und ihren Bedeutungen. Der finnische Logiker Dr. Aarne Ranta entwickelte eine Typentheorie, in der die semantische Struktur von Ausdrücken bereits in ihrem syntaktischen Aufbau gekennzeichnet wird. Der Sprachphilosoph Prof. Dr. Stephen Neale (Berkeley) hinterfragte schließlich prinzipiell die Möglichkeit theoretischer Modelle, in Zweifelsfällen die Entscheidung für bestimmte Deutungen zu fällen. So ist z.B. die vortheoretische Intuition zur Referenz des Subjekts in dem klassischen Beispiel "Der König von Frankreich ist kahlköpfig" recht vage und sollte nicht durch ein "theoretisches Vorurteil" entschieden werden. 

In drei Vorträgen zu der Referenz von indefiniten Ausdrücken zeigten der Informatiker Yoad Winter (Utrecht), und die Sprachwissenschaftler Prof. Dr. Arnim von Stechow (Tübingen) und Dr. Klaus von Heusinger (Konstanz), daß bei der Interpretation von indefiniten Ausdrücken sogenannte "Auswahlfunktionen" eine zentrale Rolle spielen, d.h. Funktionen, die ein Element aus einer Menge auswählen. So wird der indefinite Ausdruck "eine Insel" mit der Operation interpretiert, die aus der Menge der Inseln eine Insel auswählt. Die Anwendung von Auswahlfunktionen im Bereich der Linguistik ist eines der zentralen Themen des Projekts "Interaktion von Wort- und Satzsemantik". Die russische Linguistin Prof. Dr. Elena Paducheva stellte dar, daß es im Russischen, einer Sprache ohne Artikel, unterschiedliche Möglichkeiten gibt, indefinite Ausdrücke zu markieren. 

Von anaphorischen Verhältnissen, die Über den einfachen Satz hinausgehen, handelten die Vorträge von dem Philosophen Prof. Dr. Hartley Slater (Perth/Australien), den Stuttgarter Linguisten Prof. Dr. Ede Zimmermann und Robert van Rooy, dem Mathematiker Dr. Jaap van der Does (Amsterdam), und den beiden Linguistinnen Prof. Dr. Henriëtte de Swart (Stanford) und Prof. Dr. Donka Farkas (Santa Cruz/Kalifornien). So ist z.B ein anaphorischer Bezug zwischen dem modalen Satz "Karl möchte einen Fisch fangen" und dem folgenden Satz "Er ist groß" nur sehr schwer möglich. Wird hingegen ein Modalverb eingefügt, wie in "Er soll sehr groß sein", so ist die anaphorische Beziehung sehr viel einfacher zu erhalten. 

Der große Erfolg der Tagung, die mit Mitteln der DFG, der Universität Konstanz und des Vereins der Freunde und Förderer der Universität Konstanz durchgeführt wurde, ist einerseits dem klar eingegrenzten Gebiet und andererseits der engen fächerübergreifenden Diskussion zu verdanken. Das junge Fach Semantik zeigte sich dabei als selbständiges Teilgebiet der Sprachwissenschaft, das jedoch in einer ständigen interdisziplinären Auseinandersetzung mit angrenzenden Fächer und Disziplinen steht. 

(Klaus von Heusinger) 

 

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