Fachbereich Sprachwissenschaft

Universität Konstanz

Arbeitspapier 37

Kategoriale Unifikationsgrammatik

Klaus von Heusinger
November 1991

  1. Inhalt
  2. Einleitung
  3. Kategoriale Unifikationsgrammatik.(527K)

 

Inhalt



1. Einleitung                                                       1
2. Kategorialgrammatiken                                            2
     2.1. Bedeutungskategorien - Husserl                            3
     2.2. Funktionalität von Sprache - Frege                        5
            2.2.1. Das Fregeprinzip oder Kompositionalitätsprinzip  7
     2.3. Antinomien und Typentheorie - Russell                     8
     2.4. Semantische Kategorien - Lesniewski                      11
     2.5. Die klassische Kategorialgrammatik - Ajdukiewicz         11
     2.6. Die erweiterte Kategorialgrammatik - Bar-Hillel          16
     2.7. Die Mathematik der Satzstruktur - Lambek                 22
            2.7.1. Der Lambek-Kalkül                               25
     2.8. Typenänderung - Geach                                    26
     2.9. Zusammenfassung des Formalismus                          28

3. Semantik                                                        30
     3.1. Die Bedeutung von einfachen Ausdrücken                   30
     3.2. Bedeutung syntaktischer Kombinationsregeln               31
     3.2.1. Funktionalapplikation                                  31
     3.2.2. Funktionalkomposition                                  33
     3.3. Die Bedeutung von Typenänderungsregeln                   36
            3.3.1. Die Typenanhebung                               36
            3.3.2. Die Geach´sche Regel                            40
            3.3.3. Klammerungs- und Richtungsänderungsregeln       41
     3.4. Polymorphismus und Unifikation                           42
     3.5. Möglichkeiten der Kategorialgrammatik                    44

4. Kategoriale Unifikationsgrammatiken                             48
     4.1. Der PATR-II Formalismus                                  50
     4.2. Die Entwicklung zur Kategorialen Unifikationsgrammatik   53
            4.2.1. Die Funktion-Argument-Struktur in Graphen - CUG 53
            4.2.2. Komplexe Merkmalsstrukturen - UCG               55

5. Türkisch als formale Sprache                                    59
     5.1. Phonolgie                                                60
     5.2. Morphologie                                              61
            5.2.1. Nominalmorphologie                              61
            5.2.2. Verbalmorphologie                               66
    5.3. Syntax                                                    67
           5.3.1. Der einfache Satz                                67
           5.3.2. Rektion und Wortstellung im Verbalsatz           69
           5.3.3. Die Pro-Drop-Eigenschaft                         70
    5.4. Der Relativsatz                                           70
    5.5. Ein Fragment                                              75

Bibliographie                                                      80

 

Einleitung

Kategoriale Unifikationsgrammatiken gehören einer neuen Generation von Grammatikmodellen an, die stark durch ihre Anwendung in der Computerlinguistik geprägt sind. Sie haben jedoch darüber hinaus auch linguistisch sehr interessante Eigenschaften. So stützen sie sich weitgehend auf Information, die im Lexikon definiert ist. Dies ermöglicht nicht nur, syntaktische und semantische Information am gleichen Ort zu kodieren, sondern erleichtert auch eine parallele Verarbeitung. Syntax und Semantik können mit allgemeinen Prinzipien arbeiten und brauchen keine hochspezialisierten Regeln. Auch andere Grammatiktheorien schlagen inzwischen den Weg zu "mehr Lexikon" ein.
In einer weiteren Hinsicht sind Kategoriale Unifikationsgrammatiken ausgesprochen interessant: Sie bilden die Vereinigung von Methoden, die in den Kategorialgrammatiken einerseits und den Unifikationsgrammatiken andererseits angewendet werden. Kategorialgrammatiken wurden in den 30er Jahren entwickelt und sind damit der älteste formale Grammatiktyp, zumindest älter als kontextfreie Grammatiken, Transformationsgrammatiken oder Dependenzgrammatiken. Sie zeichnen sich vor allem durch ihre begriffliche Klarheit und Einfachheit sowie ihre Möglichkeiten aus, Syntax und Semantik zu verbinden. Ihr einfacher Formalismus wird auf recht verschiedenen Gebieten genutzt. Kategorialgrammatiken bilden z. B. die Semantik der meisten logischen Sprachen und könnten darüber hinaus auch zur Klärung philosophischer und ontologischer Fragen dienen (Bochenski). Dann bilden sie das Bindeglied zwischen Semantik und Logik (van Benthem). In der Linguistik sind Kategorialgrammatiken zur Beschreibung natürlicher Sprachen (Bar-Hillel) und besonders ihrer Semantik (Montague, Cresswell) genutzt worden. Doch auch in der Syntax und Morphologie haben sie eine erneute Anwendung gefunden (Steedman, Moortgat). Schließlich eignen sie sich auch besonders für den Einsatz in der Computerlinguistik und Datenverarbeitung (Uszkoreit).
Der zweite Partner der Fusion, die Unifikationsgrammatik, wurde erst in den 80er Jahren entwickelt (Shieber), ist also eine Art "Enkel" der Kategorialgrammatik und ein direkter Abkömmling der Phrasenstrukturgrammatiken. Diese entwickelten eine starke Tendenz, immer mehr Information in den Kategorien zu kodieren, was schließlich zu den flexiblen Merkmalsstrukturen der Unifikationsgrammatiken führte, die von der Graphtheorie weiter beeinflußt wurde. Ihr Haupteinsatzgebiet ist die Computerlinguistik.
Beide Grammatiktypen ergänzen sich in hervorragender Weise. Die Kategorialgrammatik trägt zur klaren Darstellung der Funktor-Argument-Struktur der Sprache bei, während die Unifikationsgrammatik die flexiblen Merkmalsstrukturen liefert, in denen speziellere Information kodiert werden kann.
In dieser Arbeit möchte ich in die wesentlichen Ideen und den Formalismus der Kategorialgrammatiken und der Unifikationsgrammatiken einführen, um dann den Aufbau der Kategorialen Unifikationsgrammatik erklären zu können. Dabei werde ich mich auf die linguistischen Aspekte der Theorien beschränken. Logische und mathematische Aspekte sowie solche, die ihre Anwendung in Computerprogrammen betreffen, werde ich nur am Rande berühren. Entsprechend ist diese Arbeit eine linguistische Arbeit: Sie besteht aus einem historisch-philosophischen Teil (Kapitel 2 Kategorialgrammatiken), in dem die Entstehung und Entwicklung der Kategorialgrammatik beschrieben wird. In einem zweiten, formalen Teil wird der entwickelte Formalismus vertieft (Kapitel 3 Semantik) und erweitert (Kapitel 4 Kategoriale Unifikationsgrammatiken). In dem abschließenden empirischen Teil wird der Formalismus auf eine natürliche Sprache und ein wirkliches Sprachfragment angewendet (Kapitel 5 Türkisch als formale Sprache). Jedes Kapitel bildet je eine gewisse Einheit.


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Letzte Änderung: 15.01.1997