Fachbereich Sprachwissenschaft

Universität Konstanz

Arbeitspapier 42

Aufsätze zur Unifikationsgrammatik

Urs Egli, Klaus von Heusinger und Anne Malchow
Februar 1992

Abstract:
Diese Sammlung von Aufsätzen zur Unifikation soll dem Verständnis für die wesentliche Struktur und den Mechanismus der Unifikation dienen. Die Unifikation bildet die zentrale Operation aller Prasenstrukturgrammatiken, die mit mit komplexen Kategorien arbeiten. Diese Grammatiken werden normalerweise in einer Term-Schreibweise dargestellt. Die Funktion dieser Operation soll hier jedoch durch anschaulicheren Graphen bzw. Attribut-Wert-Strukturen erklärt werden, die sich jederzeit in Terme übersetzen lassen.

Die vier vorliegenden Aufsätze sind im Rahmen von Seminaren zur Unifikationsgrammatik entstanden. Diese Seminare wiederum standen in eine Reihe von Veranstaltungen über Phrasenstrukturgrammatiken, in denen u. a. eine erweiterte Phrasenstrukturgrammatik für das Deutsche entwickelt wurde. Sie beschreibt eine Reihe von Phänomen wie Kongruenz, Valenz (Rektion), Wortstellung etc. mit den Mitteln einer Phrasenstrukturgrammatik ebenso erfolgreich wie andere Grammatiktypen. Dies läßt sich am besten in dem Buch Sprachsysteme - Logische und historische Grundlagen der erweiterten Phrasenstrukturgrammatik von Urs.Egli und Renata Egli-Gerber nachlesen, das die Ergebnisse dieser Seminarreihe zusammenfaßt.

Inhalt:

  1. Urs Egli & Klaus von Heusinger:
    Das PATR-II Format in Anwendung auf das Deutsche. (202K)
    Seite 1-15
  2. Klaus von Heusinger:
    PATR-II zur Beschreibung des AcI im Lateinischen. (210K)
    Seite 17-33
  3. Klaus von Heusinger:
    Kategoriale Unifikationsgrammatik. Ein Überblick. (190K)
    Seite 35-46
  4. Anne Malchow:
    Der Attribut-Wert-Formalismus von Mark Johnson
    Seite 47-76

  5. Bibliographie
    Seite 77-Ende

Das PATR-II Format in Anwendung auf das Deutsche

Urs Egli & Klaus von Heusinger

In: Urs Egli, Klaus von Heusinger und Anne Malchow. Aufsätze zur Unifikationsgrammatik.
Arbeitspapiere der Fachbereich Sprachwissenschaft, 1-15.

Abstract:
Der Aufsatz ist aus einer Mitschrift des Seminars Unifikationsgrammatik im Sommersemester 1987 entstanden. Er stellt die Ergebnisse des Seminars in überarbeiteter Form dar, in dem ein expliziter Formalismus einer Unifikationsgrammatik am Deutschen entwickelt wurde. Dabei wurden wesentliche Phänomene der deutschen Syntax mit Regeln erfaßt.

Einleitung

Das Ziel dieser Zusammenfassung soll es sein, das PATR-II Format (oder Formalismus) an einfachen syntaktischen Beispielen aus dem Deutschen einzuführen und zu erläutern. Dies kann kein historischer Abriß über die Entstehung eines Grammatiktyps, noch ein Vergleich dieses mit anderen Grammatiktypen sein. Dabei werden wir von einigen grundlegenden und damit als bekannt vorausgesetzten technischen (grammatischen) Begriffen ausgehen. Diese Darstellung des PATR-II Formats ist in dem Seminar Unifikationsgrammatik an der Universität Konstanz im Sommersemester 1987 von Herrn Prof. Egli entwickelt worden. Als Grundlage diente An Introduction to Unification-Based Approaches to Grammar (Shieber 1986). Diese nur einführenden Beschreibungen des PATR-II Formats wurden im Seminar auf das Deutsche angewendet und dabei vertieft sowie mit Konzepten anderer Grammatiken angereichert, besonders sei hier die erweiterte Phrasenstrukturgrammatik (vgl. Egli & Egli-Gerber 1991) erwähnt.

Eine einleitende Bemerkung sei noch zu dem Begriff Unifikationsgrammatik gemacht. Dieser Begriff kann in zwei Hinsichten verstanden werden. Einmal handelt es sich um eine rein technische Beschreibung des Grammatiktyps. Unifikationsgrammatiken sind Grammatiken, die unification-based sind (s.u.). Weitere Merkmale solcher Grammatiken sind Monostratalität (d.h.,die Oberfläche wird direkt, ohne Transformationen erzeugt), die Deklarativität und die zentrale Rolle des Lexikons (sie gehören zu den lexikongetriebenen Grammatiken). Solche Unifikationsgrammatiken sind als Instrument entwickelt worden, Sätze syntaktisch zu analysieren (= zu parsen). Sie erheben somit keinerlei Ansprüche auf eine linguistische oder psychologische Realität. Man nennt solche Grammatiken auch methodische Grammatiken im Gegensatz zu substantiellen Grammatiken, in denen linguistische Intuitionen und Lösungen verarbeitet sind. Zu letzteren gehören u.a. GPSG, LFG, GB, etc., zu ersteren FUG, DCG, PATR-II etc.
In diesem Zusammenhang ist auch die zweite Hinsicht von Unifikation zu verstehen. Eine solche Unifikationsgrammatik kann den neutralen Formalismus anbieten, in den die linguistisch motivierten Lösungsvorschläge bestimmter Probleme vonsubstantiellen Grammatiken übersetzt, sich vergleichen lassen. So lassen sich Stärken und Schwächen in einem neutralen Formalismus vergleichen und sich möglicherweise zu einer aussagekräftigeren Grammatik unifizieren.



PATR-II zur Beschreibung des AcI im Lateinischen

Klaus von Heusinger

In: Urs Egli, Klaus von Heusinger und Anne Malchow. Aufsätze zur Unifikationsgrammatik.
Arbeitspapiere der Fachbereich Sprachwissenschaft, 17-33

Abstract:
Der Aufsatz ist der Versuch, diese am Deutschen entwickelte Unifikationsgrammatik (im PATR-II Format) auf eine andere Sprache zu übertragen. Am Beispiel des Lateinischen werden recht komplexe syntaktische Konstruktionen, nämlich der AcI und der NcI, beschrieben.

Einleitung

Der Accusativ cum Infinitivo (AcI) ist eine interessante, vielschichtige und damit natürlich auch eine nicht unumstrittene syntaktische Erscheinung. Ziel dieser Arbeit soll es sein, die komplexe Struktur des AcI in dem PATR-II Format zu beschreiben. Damit soll einerseits deutlich gemacht werden, daß dieser Grammatiktyp sich nicht nur für eine isolierte Beschreibung von einfachen syntaktischen Erscheinungen eignet, sondern auch solche beschreiben kann, in denen verschiedene einfache in komplexer Weise zusammenwirken. Zweitens soll dabei gezeigt werden, daß der PATR-II Formalismus, der ein gutes Instrumentarium für die Analyse bietet, nicht unbedingt immer auf die linguistisch (intuitiv) beste und schönste Weise arbeitet, sondern oft rein mechanisch Probleme löst. Dies hängt mit dem Status des PATR-II Formats, sowie dem von Unifikationsgrammatiken überhaupt zusammen. Denn diese kann man als methodische Grammatiken bezeichnen, die im Gegensatz zu den substantiellen Grammatiken keinerlei Ansprüche auf irgendeine linguistische (oder gar psychologische) Einsicht oder Realität erheben.

Primäres Ziel solcher methodischen Grammatiken ist es, das Handwerkszeug (d.h. den Formalismus) für die syntaktische Analyse von Sätzen zu geben. Dieser scheinbare Nachteil, ermöglicht es auf der anderen Seite, daß bestimmte Lösungsvorschläge von syntaktischen Problemen, die in verschiedenen substantiellen Grammatiken gemacht werden, und die sich oft nicht vergleichen lassen, da die (linguistisch motivierten) Grundannahmen der substantiellen Grammatiken oft zu verschieden sind, sich so in einen (bezüglich solcher Annahmen) neutralen Formalismus übertragen lassen. Dann könnten die verschiedenen Lösungsvorschläge verglichen werden, es könnten die jeweiligen Stärken und Schwächen festgestellt werden, sofern die Lösungen in einem solchen Format noch so verschieden sind, wie sie auf den ersten Blick aussahen. Die Arbeit ist folgendermaßen aufgebaut: Nach einer kurzen Einführung in die Entwicklung und Ausbildung des AcI werden die für die weitere Untersuchung wichtigen PATR-II Regeln für das Lateinische eingeführt. Im Hauptteil werden Regeln für den AcI entwickelt. Diese Regeln werden dann bei der Analyse des NcI etwas abgeändert.



Kategoriale Unifikationsgrammatik. Eine Zusammenfassung.

Klaus von Heusinger

In: Urs Egli, Klaus von Heusinger und Anne Malchow. Aufsätze zur Unifikationsgrammatik.
Arbeitspapiere der Fachbereich Sprachwissenschaft, 35-41.

Abstract
Im Aufsatz, Kategoriale Unifikationsgrammatik, wird eine Extension der Unifikationsgrammatik entwickelt. Dabei wird sie mit der Kategorialgrammatik, die die älteste Phrasenstrukturgrammatik ist, zu einem neuen Formalismus verschmolzen, der aus beiden Grammatiktypen bestimmte Eigenschaften übernimmt.

Einleitung

Kategoriale Unifikationsgrammatiken gehören einer neuen Generation von Grammatikmodellen an, die stark durch ihre Anwendung in der Computerlinguistik geprägt sind. Sie haben jedoch darüber hinaus auch linguistisch sehr interessante Eigenschaften. So stützen sie sich weitgehend auf Information, die im Lexikon definiert ist. Dies ermöglicht nicht nur, syntaktische und semantische Information am gleichen Ort zu kodieren, sondern erleichtert auch eine parallele Verarbeitung. Syntax und Semantik können mit allgemeinen Prinzipien arbeiten und brauchen keine hochspezialisierten Regeln. Auch andere Grammatiktheorien schlagen inzwischen den Weg zu "mehr Lexikon" ein.

In einer weiteren Hinsicht sind Kategoriale Unifikationsgrammatiken ausgesprochen interessant: Sie bilden die Vereinigung von Methoden, die in den Kategorialgrammatiken einerseits und den Unifikationsgrammatiken andererseits angewendet werden. Kategorialgrammatiken wurden in den 30er Jahren entwickelt und sind damit der älteste formale Grammatiktyp, zumindest älter als kontextfreie Grammatiken, Transformationsgrammatiken oder Dependenzgrammatiken. Sie zeichnen sich vor allem durch ihre begriffliche Klarheit und Einfachheit sowie ihre Möglichkeiten aus, Syntax und Semantik zu verbinden. Ihr einfacher Formalismus wird auf recht verschiedenen Gebieten genutzt. Kategorialgrammatiken bilden z.B. die Semantik der meisten logischen Sprachen und könnten darüber hinaus auch zur Klärung philosophischer und ontologischer Fragen dienen. Dann bilden sie das Bindeglied zwischen Semantik und Logik (van Benthem). In der Linguistik sind Kategorialgrammatiken zur Beschreibung natürlicher Sprachen (Bar-Hillel) und besonders ihrer Semantik (Montague, Cresswell) genutzt worden. Doch auch in der Syntax und Morphologie haben sie eine erneute Anwendung gefunden (Steedman, Moortgat). Schließlich eignen sie sich auch besonders für den Einsatz in der Computerlinguistik und Datenverarbeitung (Uszkoreit).

Der zweite Partner der Fusion, die Unifikationsgrammatik, wurde erst in den 80er Jahren entwickelt (Shieber), ist also eine Art "Enkel" der Kategorialgrammatik und ein direkter Abkömmling der Phrasenstrukturgrammatiken. Diese entwickelten eine starke Tendenz, immer mehr Information in den Kategorien zu kodieren, was schließlich zu den flexiblen Merkmalsstrukturen der Unifikationsgrammatiken führte, die von der Graphtheorie weiter beeinflußt wurden. Ihr Haupteinsatzgebiet ist die Computerlinguistik. Beide Grammatiktypen ergänzen sich in hervorragender Weise. Die Kategorialgrammatik trägt zur klaren Darstellung der Funktor-Argument-Struktur der Sprache bei, während die Unifikationsgrammatik die flexiblen Merkmalsstrukturen liefert, in denen speziellere Information kodiert werden kann.



Der Attribut-Wert-Formalismus von Mark Johnson

Anne Malchow

In: Urs Egli, Klaus von Heusinger und Anne Malchow. Aufsätze zur Unifikationsgrammatik.
Arbeitspapiere der Fachbereich Sprachwissenschaft, 47-76.

Abstract
Der Aufsatz beschreibt einen theorieübergreifenden Ansatz, die verschiedenen Unifikationsgrammatiken auf eine gemeinsame logische Grundlage zu stellen. Am Beispiel systematischer Diskontinuitäten im Niederländischen wird gezeigt, welchen Einfluß die Wahl der Beschreibungssprache auf die linguistische Analyse nimmt; daran erweist sich die Leistungsfähigkeit eines allgemeinen Formalismus auf der Basis gründlich untersuchter logischer Systeme.


Bei Fragen oder Kommentaren zu dieser Page wenden Sie sich bitte an den

Webmaster.Sprachwiss@uni-konstanz.de

Zurück zur Homepage des Fachbereichs Sprachwissenschaft

Letzte Änderung: 15.01.1997